Einfach – Komliziert – Komplex

Ich treffe häufig auf Menschen denen dieser Unterschied zwischen Einfach-Komliziert-Komplex-Chaotisch – nicht ganz klar ist. Es ist aber fundamental wichtiges Wissen beim Einschätzen der Dinge und Probleme in unserer Welt. Möglichst viele und nicht nur die Wissenschaftler* oder gar nur die Systemtheoretiker* sollten damit adäquat umgehen können.

Wenn sie ein Problem haben brauchen sie eine Lösung. Und es gibt einfache, komplizierte und komplexe Probleme. Und um einem wichtigen und weithin anerkannten Gesetz des Kybernetikers
Ashby folgend brauchen sie zur Lösung und Steuerung eines komplexen Problemsystems, ein ebenso
komplexes Lösungssystem. Das Gleiche gilt übrigens für alle anderen Schwierigkeitsgrade auch.
Zumeist kennt man den Schwierigkeitsgrad und manchmal kann man ihn sogar berechnen. (z.B.:
Kolmogorov-Komlexität Quantitatives Komplexitätsmaß) .

KOMPLEXITÄT(problem) KOMPLEXITÄT(lösung)


 


Man benötigt also für die Lösung eines Problems, und bedenken sie alles ist in gewisser Weise ein System – eine gegengleiche Komplexität um vollkommen richtig und korrekt zu reagieren. Das ist natürlich selten der Fall. Sehen sie. Nehmen wir ihr Nervensystem. Grob beinhaltet es das Zentralnervensystem, das Peripherie-Nervensystem sowie Rezeptoren und Effektoren.
Das ist ihr Lösungssystem das sie haben um mit der Welt möglichst adäquat umzugehen.

Manchen gelingt das besser, manchen weniger gut. Aber ich sage ihnen was: Unser Nervensystem ist in der Lage mit komplexen Entscheidungssituationen umzugehen, aber dies kann es nicht perfekt. Die Komplexität die unser Nervensystem gegenüber seine um ein vielfaches komplexere Umwelt
aufbauen kann ist in Wahrheit und in den meisten Fällen unterkomplex. Wir denken und handeln also ständig in einem Raum von Unwissenheit und vielen dunklen Flecken. Darum geht auch bei unseren Handlungen sooft was schief. Weil wir eben sehr komplexe Probleme mit einem im Gegensatz dazu unterkomplexen Nervensystem versuchen zu lösen bzw. steuern wollen.

Probleme sind –

1.) EINFACH:  Einfache lineare Lösung kann und wird gefunden. (Stein, Ball)
K(p) < K(l)

2.) KOMPLIZIERT: Komplizierte Lösung kann noch gefunden werden. Das Systemverhalten ist linear.
Auf gegeben Output erfolgt stets linearer zu erwartende Output. (Fernseher, Flugzeug)
K(p) K(l)

3.) KOMPLEX:  Es gibt eine Vielzahl an Variablen die auch noch häufig untereinander verbunden und in Abhängigkeit stehen. Das Systemverhalten ist nicht-linear. Kleiner Input kann großen Output erzeugen. Schnell Unvorhersagbar. (Klimasystem, Wettersystem, Planetensystem mit 3 oder mehr Himmelskörpern.)
K(p) K(l)



Darum ist es für uns alle so schwer immer das richtige und funktionierende zu tun. Ein soziales Gehirn bestehend aus vielen Personen, die über ein Kommunikationsnetzwerk verbunden sind: könnten allerdings – wie gesagt als soziales Gehirn konstruiert – einer Einzelintelligenz oft überlegen
sein.

(Chaotische Systeme sind insofern nötig um Prozessmusterwechsel in anderen Systemtypen zu
ermöglichen. Für die Berechnung sind sie aber nicht mehr geeignet. Einfach, weil im chaotischen
Zustand alle erkennbaren Muster aus dem Blickfeld verschwinden, welches das System z.B. im
komplexen Zustand noch hatte.)

Im übrigen steht hier in nahem Zusammenhang die Antwort auf die Frage was Weisheit ist. Weisheit ist nämlich eine Kompetenz die einen bestmöglichen Umgang mit der Komplexität der (Um-)Welt zu gewährleisten imstande ist. Ein Weiser ist also eine Person die durch Erfahrung, Intuition und analytische Gabe, seine eigene Unterkomplexität gegenüber dem Problem ausgesprochen gut kompensieren kann. In diesem Sinne ist Weisheit eine Kompetenz.
(Inkompetenz-Kompensierungs-Kompetenz)
Und wohl nur ein Viertel der Weltbevölkerung hat dazu das Potenzial zumindest in seinem kleinen Fachbereich – weise zu agieren und zu entscheiden. Egal in welches Fachgebiet oder Fachbereich sie gehen. (Handwerker, Arzt, Dolmetscher etc.)

Den wissenschaftlichen Menschen unter ihnen möchte ich hier noch eine dazu passende Anekdote
mitgeben. Wenn sie einigermaßen fit und auf dem Laufenden bzgl. der Veröffentlichungen im Wissenschaftssystem sind; kennen sie bestimmt die manchmal etwas polemisch gehaltenen Angriffe von Naturwissenschaftlern* auf die Geisteswissenschaftler* bzw. die Geisteswissenschaft an-sich.
Und diese Vorwürfe, das muss man hier nun ehrlich hinzufügen, beziehen sich häufig auf tatsächlich existierende Fehl- oder Unleistungen der Geisteswissenschaften. Um ein Beispiel zu geben, von dem es mindestens Dutzende gibt: Der Hinweis der Biologen das eine Trans-Frau niemals eine Frau sein wird. Egal wie viele Hormone oder wie viele Operationen derjenige bekommen hat. Das Geschlecht
wird schon viel früher und brachialer durch die Chromosomen (später im Wachstum dann Hormone, deren Einfluss aber in der sensiblen Zeit ihrer Entstehung aufgrund der Frühphase der Entwicklung gegenüber später gegebenen Hormonen noch brachialere Wirkungen haben.) u.ä. bestimmt. Das Gleiche gilt vice versa für Trans-Männer. Insofern wird mittlerweile auch wieder von einigen mutigen
Geisteswissenschaftlern* die Gleichstellung zwischen Trans-Frauen und echten Frauen massiv in
Zweifel gezogen. Wenn man sich ansieht was Trans-Frauen im Profisport anrichten, hat man dazu
auch gleich ein praktisches und eindrückliches Beispiel:

Aber es geht mir hier nun um was ganz anderes und es könnte nach einer Basisverteidigung der Geisteswissenschaften gegen die Naturwissenschaften klingen. Denn die Sprache der Naturwissenschaft ist und bleibt die Mathematik. Aber: Unser heutiges mathematischen Know-how deckt nur die Bereiche des einfachen und komplizierten ab. Wenn sie an das Drei-Körper-Problem
denken, wird ihnen sehr schnell klar das in der Welt des komplexen (Klima, Gesellschaft, Wirtschaft
etc.) die Mächte der Naturwissenschaften und ihrer Mathematik massiv an Kraft verlieren. Aber
genau diesen Vorstoß in die Welt des komplexen, indem sie also z.B. eine Theorie über die
Gesellschaft entwickeln, macht die Geisteswissenschaft. Aber nicht mit der Mathematik welche für
diese Bereiche kaum noch valide Aussagen treffen kann, sondern sie macht es mithilfe unserer gesamten zur Verfügung stehenden Sprache. Unsere Sprache, also Mathematik bzw. Schriftsprache begrenzen und limitieren die Welt, in der wir leben und auf die wir Zugriff haben. Mit Worten, Texten und Papers können sie in den Geisteswissenschaften versuchen, trotz aller Widrigkeiten in die Welt des komplexen vorzudringen und versuchen – dort Dinge sichtbar zu machen, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Das hat zur Folge, dass man mit Theorien die möglichst Welt-adäquat sein sollen eine zur Realität “gegengleiche” sprachliche Komplexität aufbauen muss, die sich dann
im übrigen an der Komplexität der Gesamttheorie zeigt.

Auf das muss man alle Vorwürfe hin prüfen, welche an die Geisteswissenschaften herangetragen werden. Auch, wenn viele der heutigen Vorwürfe die ich diesbezüglich kenne durchaus stimmig und nachvollziehbar sind. Es sind also viele -> wohl wahr; aber es sind nicht alle wahr.



(Gehen sie immer davon aus das 3/4 aller anwesenden Personen Inkompetent sind. Das ist zwar nur Anektotenwissen, aber ich habe dies häufig in der Praxis geprüft und gesehen.)

—ENDE—

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